HEGGLIN

Der Tuningbetrieb in Meilen bei Zürich befasste sich in erster Linie mit Motoren und hatte verschiedene Stufen anzubieten. Die 78 PS-Version zum Beispiel fiel vor allem durch das extrem hohe Verdichtungsverhältnis auf. Bis 10,4:1 ging Hegglin und bewies damit damals recht viel Gottvertrauen. Zwar wurden die Luftleitbleche abgeändert um Zylinder 3 und 4 besser zu kühlen, aber die Belastung war trotzdem mechanisch und thermisch enorm.

 

Abhilfe sollte die spezielle Hegglin-Ölkühleranlage bringen. Hegglin hielt auch am zentralen Doppelvergaser fest, der bekanntlich über recht lange Ansaugwege verfügt. Die Leistungsausbeute musste dabei beschränkt bleiben.

 

HEGGLIN STUFE 1:

Die Verdichtung wurde von 7,5:1 auf den sehr hohen Wert von 10,5:1 gebracht.Der Motor mußte also raus, die Zylinderköpfe runter. Von diesen wurden 3,5mm abgenommen. Damit die Kolben anschließend nicht gegen die Köpfe stießen, mussten im Durchmesser der Kolben 2,5mm aus den Köpfen herausgearbeitet werden. Die hohe Verdichtung und die Umgestaltung des Brennraums erforderten Zündkerzen mit dem Wärmewert 225. Zündung,Verteiler und Vergaser blieben im Originalzustand.

 

Nur ab dem Model 71 wurden im Vergaser eine größere Hauptdüse eingesetzt. Möglich war die Aufbesserung der Leistung bei allen Käfer-Motoren. Versprochen wurde ein Leistungszuwachs von 20%, was beim 50PS-Käfer echte 10PS sind. Bei allen Leistungssteigerungen treten thermische Probleme am Motor auf, die nur durch einen zusätzlichen Ölkühler gemeistert werden können.

 

Hegglin hatte einen Kühler entworfen,der aus vielen miteinander verbundenen Röhren besteht und direkt unter der Motor-Ölwanne angebracht wird. Das hatte den Vorteil,daß keine Schläuche und auch keine zusätzliche Pumpe notwendig waren. Allerdings beeinträchtigte der Kühler etwas die Bodenfreiheit. Der Ölkühler wie auch zwei Aluminium-Zylinderkopfdeckel und die Auspufftopf-Abstimmung gehörten grundsätzlich zum Bausatz. Der komplette Bausatz-Preis betrug (einschl. MwSt) ca. DM 850,-.

 

HEGGLIN STUFE 2:

Stufe 2 baute auf Stufe 1 auf. Hinzu kamen eine zentrale Doppelvergaseranlage, ein Fliehkraftzündverteiler und eine geänderte Nockenwelle mit größerem Hub. Das Schwungrad wurde um einige Pfund erleichtert und ausgewuchtet. Alle genannten Maßnahmen brachten einen Leistungszuwachs zwischen 25 bis 30%, dass sind beim 50 PS Käfer rund 15 PS. Die Tuningstufe 2 kostete bei VW-Hahn ca. DM 1.800,-.

 

Schwierigkeiten hatte Hegglin bei der TÜV-Abnahme mit den Auspufftopf-Geräuschen.

Die Lösung: Hegglin hatte einfach die beiden Auspuff-Endrohre angebohrt und miteinander durch einen weiteren Schalldämpfer verbunden. Damit war die TÜV-Abnahme gemeistert.

 

Nach Möglichkeit sollte der Motor-Umbau, so sagte Hegglin, bei einem neuen Käfer vorgenommen werden. Es galten dann die gleichen Garantie-Leistungen, wie sie auch vom VW-Werk gewährt wurden. Wurde der Umbau an einem schon länger gelaufenen Motor vorgenommen, so erstreckte sich die Garantie nur auf Neuteile.

 

Hegglin lieferte die bis dahin einzige Leichtmetallfelge, die in 14 Zoll für Volkswagen TÜV-Segen hatte. Seit Mitte 1973 war diese Felge auch für den 1302/1303/S zugelassen. Diese Felge ist in 2 verschiedenen Design-Versionen bekannt. Das stabile Druckguß-Rad verbreitert die Spur um ca. 25mm, zudem ist es um ca. 40% leichter als die Serienfelge. Hegglin's Rad war nur in Vierloch-Ausführung und in der Abmessung 5½ x 14 Zoll zu haben.

 

Die deutsche Vertretung hatte der VW-Großhändler Hahn, 7012 Fellbach bei Stuttgart, übernommen.

Das Rad war in den Farben Silber, Gold, Rot, Gelb und Blau lieferbar. Damaliger Preis für 4 Räder: 666 DM inkl. Mwst.

 

Nach dem Tuning-Rezept von Hegglin wurden in der BRD auch die Käfer von dem Stuttgarter Händler Hahn gebaut.

 

Erinnerungen und Erlebnisse mit VW-TUNER EMIL HEGGLIN in den 70er Jahren von Friedrich Steinegger

 

Anfang Januar 1970 trat ich als kaufm. Angestellter in das ca. 12-köpfige Autohaus Emil Hegglin in Feldmeilen (in der Schweiz am Zürichsee) ein. Mir war erst in ca. 2 Monaten bewußt, welche Aufgaben mich hier erwarteten. Das Tuning und dergleichen für VW Käfer war mir völlig fremd. Aber es reizte mich dieses Gebiet zu ergründen und Erfahrungen zu sammeln.


Neben den alltäglichen Büroarbeiten in diesem VW-Betrieb gab es viele Anfragen für VW-Käfer-Tuning auch weit über die Grenzen hinaus. Für mich waren es die wilden 70-Jahre des Käfer-Tunings.


Im Hause Hegglin wurden rege Zylinder und Zylinderköpfe zur höheren Verdichtung bis 10:1 bearbeitet sowie auch selbstentwickelte Teile wie Alu-Zylinderkopfdeckel, 14-Zoll-Alufelgen, Zusatzölkühler aus Aluminium, Zentralregisteransaugrohre und abgeänderte Auspufftöpfe angeboten. Es gab auch einige deutsche VW-Vertreter (z.B. Autohaus Hahn bei Stuttgart), die Hegglin-Tuning zum Verkauf anboten. Darunter waren auch viele Privatpersonen, meistens junge Mechaniker, die aus dem Käfer einen Wolf im Schafspelz machen wollten.


Für die 1. Stufe wurde der Motor höher verdichtet. Durch das Dichtungsverhältnis gab es thermische Probleme, die mit dem selbstentwickelten Alu-Ölkühler bewältigt werden sollten. Der Zusatzölkühler wurde anstatt des Öl-Siebdeckels montiert, und durch einen verlängerten Ölansaugstutzen vom Serienmotor angeschlossen. Dieses System wurde zusammen mit meinen Vorgänger Peter Sauber ( Formel 1 ) teilweise mitkonstruiert.


Für die 2. Stufe verpasste man dem höher verdichteten Motor eine Spezialnockenwelle von der Firma Schleicher sowie auch eine Zentral-Weber-Register-Vergaseranlage. Das dazugehörige Ansaugrohr und Gasgestänge wurde im Hause Hegglin hergestellt. Dieses Vergasersystem hatte den Vorteil, das man in der 1.Stufe gegenüber dem Serienvergaser weniger Benzin brauchte. Bei sportlicher Fahrt bzw. bei Vollgas stieg der Benzindurst jedoch auf ca. 13 Liter an.


Die Kundenwünsche sind mit der Zeit anspruchsvoller geworden. Man wünschte sich einen anderen Sound,den man durch Spezialauspuffanlagen und Ansauggeräusche verschiedener 4-fach-Vergaseranlagen ändern konnte. Auch Frontölkühler waren im Gespräch.

Die Schlangen-Auspuffanlagen wurden von der Firma Sauer & Sohn sowie auch seinerzeit von der Firma Mahag aus München geordert. Diese Teile konnte man ohne weiteres an Serienmotoren montieren sowie auch an getunten Objekten.


Auch die Weber - Doppelvergaseranlagen 36 oder 40 IDF waren sehr begehrt. Diese ließen durch ihr Ansauggeräusch einen Porsche-Sound entlocken. Die Anlagen wurden seinerzeit in Bologna - Italien hergestellt und auch mit TÜV-Gutachten gesegnet. Heute trauert man diesen Vergaseranlagen etwas nach, besonders den Ansaugstutzen, die dem Lufttrichter-Querschnitt entsprachen. Bessere Qualität konnte man nur bei der Firma Riechert ergattern, jedoch hatten diese ihren Preis. Für die strengeren Geräuschvorschriften entwickelte die Firma Mahag eine Zentralluftfilteranlage.


Die Spezialkunden (gut betuchte) verlangten noch mehr Power. Für diese Kundenwünsche orderten wir einen 2-Liter-Rumpfmotor von Oettinger. Dieser wurde nochmals etwas höher verdichtet, Spezialnockenwellen mit anderen Steuerzeiten eingebaut und abgeänderte Weber 40 IDF montiert. Zusätzlich bekam der Motor eine Frontölkühleranlage nach System Oettinger.


Mittels Keilriemenantrieb über das Lichtmaschinenpulley wurde eine leistungsstarke Ölpumpe angeschlossen. Das heiße Öl wurde durch einen Hegglin-Ölkühler entnommen und das gekühlte Motorenöl wieder dem Serieansaugstutzen zugeführt.

Durch dieses System konnte der 120 PS - Motor bis zu 5 Liter Öl im Kreislauf aufnehmen.


Euer Friedrich Steinegger

 

Damalige Anschrift: Emil Hegglin | CH-8706 Feldmeilen | Schweiz