SAUER UND SOHN

Sauer&Sohn ist ein Familienunternehmen mit mittlerweile 120 Mitarbeitern, das seit über 50 Jahren existiert. Heute firmiert die mittlerweile von Peter Sauer geleitete KG unter dem Namen „sauer motive systems“ und hat ihren Unternehmensschwerpunkt in der Motoren- und Aggregatetechnik, sowie im Industriemotoren-Geschäft und als Teilezulieferer der Automobilindustrie.

 

Begonnen hat das Unternehmen im Zeitalter der Nachkriegsmotorisierung als schlichte Kurbelwellen- und Zylinderschleiferei („Odenwälder Zylinderbearbeitung“) in Heubach im Odenwald. Motoreninstandsetzung war seinerzeit ein einträgliches Geschäft, zumal Otto-Motoren noch nicht die Laufleistungen heutiger Aggregate erzielten.

 

So war es geradezu zwangsläufig, dass Käfermotoren zu den meist überarbeiteten Antriebsquellen zählten. Bezeichnenderweise begann das Käferfrisieren 1967 im Hause S&S jedoch nicht mit eigentlichen Motorenteilen, sondern mit der mittlerweile weltbekannten Sauer&Sohn-Auspuffanlage, die sich als Auspuffschlange mit Doppelschalldämpfer durch vier Original-Endrohre auszeichnete. Wirklich leistungsfördernd war diese Anlage nur dann, wenn man verbotenerweise die eigentlich verschlossenen Rohre zu den zwei äußeren Endrohren öffnete (Die erste Version dieser Anlage hatte zunächst auch nur zwei Endrohre). Im Rennsport wurde das gute Stück ebenfalls eingesetzt, allerdings wurde der dämpfende Teil dabei durch eine „Renntüte“ ersetzt.

 

Richtig rund ging es dann ab 1969: Die erste Vergaseranlage trug einen einzelnen Zenith-32-NDIX Doppelvergaser mittig auf einer Ansaugrohr-Konstruktion und lieferte 58 PS bei 1600 cm³ Hubraum. Erweitert um einen weiteren dieser Exemplare lieferte diese Doppelvergaser-Anlage 60 PS bei sonst unverändertem Motor.

 

Wer jedoch richtig hinlangen wollte, griff zum 1600er-Satz mit 85,5 mm Bohrung i.V.m. einer rollengelagerten Kurbelwelle, Spezial-Nockenwelle mit 308° und dem obligatorischen BOSCH  Fliehkraftverteiler aus dem PORSCHE 356 bei einem Verdichtungsverhältnis von 8,9:1. Satte 75 PS bei 4.900 U/min und 127 Nm bei 3.600 U/min ließen den Käfer auf der Landstraße zum Platzhirsch werden.

 

Höchstens ein RENAULT R8 Gordini konnte ihm noch Paroli bieten und war mit 10.811,– DM gegenüber 8.800,- DM für den SAUER-Käfer durchaus konkurrenzfähig. Schon damals brauchte der Käferpilot also ein gehöriges Maß an Understatement. Im Rennbetrieb gab es z.B. für AutoCross-Fahrzeuge eine nicht Straßen zugelassene SOLEX 40 ADDH-Doppel-
vergaseranlage, die die Leistung über 80 PS anhob. Nach dem Erscheinen des 1302 S und 1303 S konnte ab 1972 auf den Basismotoren aufgesetzt werden: Die Verdichtung stieg bei Verwendung hemisphärischer Brennräume auf knackige 10:1. Spezialkipphebel mit verkürzten Stößelstangen sorgten für einen größeren Ventilhub. Die Leistung betrug weiterhin 75 PS, die jedoch schon bei 4.400 U/min anlag und mit einem höheren Drehmoment von 130 Nm bei moderaten 3.000 U/min einherging. Nutze man das Drehzahlband bis zur Grenze von 5.800 U/min beim Beschleunigen aus, war die 100 km/h-Schallmauer nach 12,5 Sekunden durchbrochen. Als Spitzengeschwindigkeit konnten seinerzeit von ams 156,5 km/h gestoppt werden. Angesichts eine Testverbrauchs von 13,5 Liter/100 km brauchte das Aggregat keinen Vergleich mit dem durstigen Serienmotor scheuen. Rund 1.600,- DM waren damals auf den Tisch des Hauses in Dieburg zu legen. Dort hatte S&S mittlerweile ein neues Motorinstandsetzungswerk gebaut.

 

Anfang der 70er Jahre erweiterte S&S sein Käfermotoren-Angebot auf 1,9 und sogar 2 Liter Hubraum als „big-bore-kits“. Diese Motoren wurden auch für VW-Busse und insbesondere den TYP 3 als 1500er und 1600er- Basismotor angeboten. So kam man auf 85 bzw. 100 PS. Jedoch hatte S&S nur für eine entschärfte Version des 1,9 Liter-Aggregats mit 70 PS (!) eine „A.B.E.“. Dieser Motor erreichte seinen erhöhten Hubraum über eine 82mm Hub Spezialkurbelwelle und die Höchstleistung lag schon bei 4.200 U/min an. Auch hier kam weiterhin nur die „kleine“ Doppelvergaseranlage mit den 32er-NDIX-Zenith-Vergasern zum Einsatz, um den „Europatest“ zu bestehen. Alles was im Rennsport lief, wie z.B. „24-Stunden-Rennen“ am Nürburgring und Rundstrecke in Hockenheim (Gruppe 2) konnte aus dem Vollen schöpfen: Hubräume von 2.000 bis zu 2.400 cm³ in Verbindung mit einer Kugelfischer-Einspritzung (AutoCross ab 1976 mit fünfmaligem Gewinn der Deutschen Meisterschaft) ließen die Leistung bis zu 200 PS steigen. Hauptsächlich wurden hierbei jedoch SOLEX-Vergaser 40 P II und Weber- Vergaser vom Typ 46 und 48 IDA für die großen Hubräume eingesetzt. Die Nockenwellen wurden verschärft mit 316° angeboten und erleichterte Schwungscheiben mit einem Gewicht von 5,2 Kilo taten ein Übriges. Natürlich bot S&S auch an, was sonst noch nötig war. Näheres kann man aus dem S&S-Katalog im DOWNLOAD-Bereich erfahren.

 

1976 stieg Sauer natürlich auch in das Tuning wassergekühlter Motoren ein, um sich dann jedoch als Folge der Ölkrise 1980 gänzlich aus diesem Bereich zu verabschieden. Schon Anfang der 70er machte S&S mit gasgetriebenen PKW-Motoren von sich reden. In diese Richtung sollte sich der Betrieb weiterentwickeln. Heute konzentriert sich Sauer&Sohn auf Beratung, Vertrieb und Service von reinrassigen Industrie-, Gas-, Marinemotoren und Stromaggregate bis zu einer Leistung von 2.200 PS. Peter Sauer hat jedoch seine Herkunft nicht vergessen. Noch heute ist man dort gerne bereit, den Motor eines Young- oder Oldtimers unter die Lupe zu nehmen, um den „Aggregatzustand“ zu analysieren und ggf. eine Motorüberholung anzugehen.

 

Damalige Anschrift: Odenwälder Präzisionswerk Peter Sauer und Sohn | Postfach 88 | 611 Dieburg

 

Heutiger Kontakt: sauer motive systems | Groß-Zimmerner-Str. 41 | 64807 Dieburg | www.sauerundsohn.de